Polditzer Orgelverein

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Stille Kammermusik zum Buß- und Bettag

siegfried-pank
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  • Date: 20. November 2019
  • Time: 16:30
  • Location: Kirche Polditz

Stille Kammermusik zum Buß- und Bettag

„Conversation européenne

 

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Programm

 

Georg Philipp Telemann (1681-1767)
Quatuor No. 4 en si mineur TWV 43:h2
für Flauto traverso, Violino, Viola da gamba und Basso continuo
Prélude – Coulant – Gai – Vite – Triste – Menuet (Modéré)

Sonate G-Dur TWV 43:G10
für Flauto traverso, 2 Violen da gamba und Basso continuo
Vivace – Andante – Vivace

Carl Friedrich Abel (1723 – 1787)
Quartet in G – Dur WKO 227, A6:1
für Flauto traverso, Violino, Viola da Gamba und Violoncello
Allegro moderato – Allegretto

Louis- Gabriel Guillemain (1705 -1770)
Quatuor sol majeur aus: Six Sonates en Quatuors
für Flato traverso, Violino, Viola da gamba und Basso continuo
Allegro moderato – Aria Gratioso – Altro: un poco piu Allegro – Allegro, ma non presto

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Ausführende

Polina Gorshkova (Flauto traverso)
Liv Heym (Barockvioline)
Siegfried Pank (Viola da gamba)
Pavel Serbin (Barockvioloncello, Viola da gamba)
Jean-Christophe Dijoux (Cembalo)

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Gedanken zum Programm
von Siegfried Pank

Auch in der 13. Ausgabe der „Stillen Kammermusik“ spielen das Wesen des Buß- und Bettages als Tag der Besinnung eine prägende Rolle. Die Gestaltung des Programms hängt stets von der zur Verfügung stehenden kammermusikalischen Besetzung ab und diese wiederum von weiterführenden Konzertvorhaben.

In diesem Jahr musizieren wir in einer Besetzung, die in vielfältiger Weise die Programmüberschrift Conversation européenne“ prägt:

  • der lebendige Austausch der Musiker und Komponisten im 18. Jahrhundert quer durch Europa.
  • dazu passend die diesjährige Zusammensetzung unseres Ensembles mit Künstlerinnen und Künstlern aus Russland, Deutschland und Frankreich.

Wie entsteht solch eine Kammermusikgruppe? In unserem Fall war es die Einladung vom Telemannzentrum in Magdeburg zu einem Konzert im nächsten Jahr mit entsprechenden Programm- und Besetzungswünschen. Ein derartiges Programm verdient es, mehrfach aufgeführt zu werden und so sind wir glücklich, Sie mit dieser besonderen Musik in der wohlklingenden Polditzer Kirche innerlich bewegen und erfreuen zu dürfen.

Dabei spielt die Conversation in unserem heutigen Konzert sowohl inhaltlich im Blick auf den Buß- und Bettag, das Programm und zwischen uns Musikern gleichermaßen eine gestaltende Rolle. Das Gespräch miteinander bestimmt seit Menschengedenken im Allgemeinen, den gesamten menschlichen Umgang umfassenden Sinn unser Zusammenleben und gibt uns ein unverzichtbares Mittel für die Verarbeitung und Bewältigung ganz persönlicher Probleme. Allein können wir nichts tun….

So wie im gemeinschaftlichen menschlichen Dasein lebt auch die heute erklingende Musik vom Dialog. Besinnliche, traurige, aber auch heitere Themen werden musizierend ausgetauscht und zu einem letztendlich harmonischen Ganzen entwickelt. Dies ist jedoch nur möglich, wenn wir Musizierende die Kunst des menschlichen Umgangs beherrschen!

Ein paar wenige Bemerkungen zu den Komponisten: Georg Philipp Telemann war ein bekennender Europäer, der dies auch durch seine Reisen und Aufenthalte quer durch unseren Kontinent praktiziert hat. So erleben wir ihn heute komponierend sowohl im französischem als auch im italienischen bzw. “vermischtem” Stil. Im Gegensatz dazu hören wir in dem Quartett von Carl Friedrich Abel – dem bedeutenden, in ganz Europa hoch geschätzten, in seiner zweiten Lebenshälfte in London wirkenden Virtuosen auf der Viola da Gamba – eine deutlich veränderte Tonsprache, die in ihrer Empfindsamkeit den Übergang vom Barock zur Klassik vorbereitet. Louis- Gabriel Guillemain können wir – seine Lebenszeit betrachtend – als Bindeglied zwischen beiden Komponisten erleben. Er war in vielen Bereichen der Musik aktiv, sowohl als Komponist und als Violinist. 1759 trat er als Geiger in den königlichen Dienst ein und erlangte schließlich wichtige Stellungen am Hofe von Versailles. Auch bei ihm erleben wir eine stilistische Übergangssituation: während der deutsche Komponist Telemann seine Musik, komponiert im französischen Stil, mit konsequent französischen Satzbezeichnungen versieht, entscheidet sich der Franzose Guillemain in seinem Quartett für italienische Satzbezeichnungen mit der dazu passenden “italienisierten” Musik.

Wie Sie lesen -und dann auch hören -, erwartet Sie eine Vielfalt von Musik und Empfindungen, die der unseres Lebens nahe kommt und damit auch dem, was wir heute besonders bedenken: Dem Reflektieren unseres Gewissens durch nachdenkliche Stille.

Ich wünsche uns allen dazu offene Herzen und ein beseeltes Musikerlebnis.

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Die Künstler

Polina Gorshkova wurde in St. Petersburg geboren. Sie hat ein Diplom der Detmolder Musikhochschule und ein Aufbaustudiengang Konzertexamen der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf absolviert. Danach folgte noch ein Masterstudium Alte Musik (Historische Flöten) an der Hochschule für Künste Bremen bei Prof. Marten Root. Sie war mehrfach als Gast am Landestheater Detmold und im Oldenburgischen Staatsorchester tätig und tritt vielfältig kammermusikalisch in Erscheinung. Aktuell beschäftigt sich Polina Gorshkova mit der historischen Aufführungspraxis. Sie tritt regelmäßig auf mit verschiedenen Barockorchestern und Ensembles u.a. mit den Baseler Kammersolisten Barock, Concerto Brandenburg, Barockwerk Hamburg, Elbipolis Barockorchester Hamburg, Concerto Bremen und „La festa musicale“.

 

Liv Heym, deren Kammermusikspiel von Alex Ross (The New Yorker) als “elegant und sinnlich, stilvoll wild” beschrieben wurde, ist sowohl auf der modernen wie auf der Barockgeige zu Hause. Sie spielt regelmäßig in verschiedenen Alte Musik Ensembles Europas wie Les Arts Florissants, Les Passions de Montauban und The Irish Baroque Orchestra.  Daneben hat sie sich mit besonderem Interesse interdisziplinären Projekten mit Tänzern, Komponisten und Improvisationskünstlern gewidmet. Sie ist Preisträgerin des Telemann-Wettbewerbs Magdeburg 2015. In Berlin geboren, lernte sie das Violinspiel bei Heinz Dinter und studierte später bei Ulrike-Anima Mathé (Hochschule für Musik Detmold) und Daniel Phillips (Mannes College New York). Prägenden Einfluss hatte auch der Violin- und Kammermusikunterricht mit Eberhard Feltz. Meisterkurse bei András Schiff, Mi Kyung Lee, Monica Huggett und András Keller gaben wichtige Impulse. Nach Abschluss des pädagogischen und künstlerischen Diploms in Detmold absolvierte Liv einen Master in Historischer Aufführungspraxis an der Julliard School New York, wo sie Barockvioline bei Monica Huggett und Cynthia Roberts studierte. (www.livheym.com)

 

Siegfried Pank war zunächst Schüler der Landesschule Pforta, danach Mitglied des Thomanerchores Leipzig. Nach seinem Violoncello-Studium an der Leipziger Musikhochschule bei August Eichhorn war er 1962–1980 Mitglied des Leipziger Gewandhausorchesters. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich intensiv mit der Viola da gamba und erhielt Anregungen durch Wieland Kuijken und Jordi Savall. Ab 1980 war er Dozent, 1988 wurde er zum Professor an der Leipziger Musikhochschule berufen, wo er 1991 die Studienrichtung »Alte Musik« gründete und aufbaute.

Als Solist und Mitglied führender Ensembles führten ihn Konzerte nach Europa, Israel, die USA und Japan. Für nationale und internationale Rundfunkanstalten und Labels produzierte er Aufnahmen mit breitem Repertoire: Gambensonaten, Kammermusik, Konzerte, Passionen von Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bach (Deutscher Schallplattenpreis 1988), Händel, Telemann, Vivaldi, Rameau, Marais u.v.a.m.
Zudem veröffentlichte er Aufsätze und Studien zur Aufführungspraxis der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Als Dozent von Spezialseminaren und Meisterkursen wirkte er im In- und Ausland. Er war Jurymitglied nationaler und internationaler Wettbewerbe wie dem Wettbewerb des Deutschen Musikrates, dem Johann-Sebastian-Bach Wettbewerb Leipzig, sowie dem Telemann-Wettbewerb Magdeburg und dem Bach-Abel Wettbewerb Köthen, denen er zudem als Präsident vorsteht. Für seine Verdienste wurde er unter anderem mit dem Georg-Philipp-Telemann-Preis der Landeshauptstadt Magdeburg (2012), dem Eitelfriedrich–Thom-Preis / Michaelstein (2013) und dem Verdienstorden des Landes Sachsen-Anhalt (2018) geehrt.

 

Pavel Serbin wurde in Moskau geboren. Nach dem Studium am hiesigen Tschaikovsky-Konservatorium bei Dmitry Miller (Violoncello) führte er seine Ausbildung am Königlichen Konservatorium in Den Haag und am Konservatorium Luxembourg fort. Der junge Musiker studierte unter Lehrern wie Wieland Kuijken, Michel Rada-Igisch (Viola da gamba) oder Jaap ter Linden (Barockvioloncello). Seit 2004 ist er selbst Lehrer am Moskauer Konservatorium für Barockvioloncello und Kammermusik auf historischen Instrumenten. Er ist Preisträger von Wettbewerben wie ,,Premo Bonporti Competition“ (Italien, 2000), ,,Van Wassenaer Concurs (Holland, 2000) und ,,Wettbewerb für Alte Musik in Brügge (Belgien, 1999). Pavel Servin tritt als Gambist oder Cellist auf verschiedenen Festivals auf, unter anderem dem Alte Musik Festival in Utrecht oder in St. Petersburg. Neben zahlreichen Konzert-Verpflichtungen, spielte er mehrere CD-Produktionen mit namenhaften Künstlern ein. Seit 2003 leitet er als künstlerischer Direktor das ,,Pratum Integrum Orchester“.

 

Jean-Christophe Dijoux

Der Faszination des Cembaloklangs erlag Jean-Christophe Dijoux während seines Klavierstudiums am Conservatoire National Supérieur de Paris. Als vielfaches Ensemble-mitglied und ebenso als Solist hat er mitterweile bei internationalen Wettbewerben zahlreiche Preise erspielt, unter anderen den “Bärenreiter Urtext Preis” sowie den Preis für das beste und stilgerechte Generalbassspiel beim VII. Internationalen Telemann-Wettbewerb in Magdeburg. Seit 2014 darf sich Dijoux mit dem ehrenvollen Titel des 1. Bachpreisträgers in der Kategorie „Cembalo“ schmücken, wobei er seinerzeit in Leipzig zusätzlich den Preis des Leipziger Barockorchesters sowie den Sonderpreis für eine CD-Produktion gewann.

Er wurde unter anderem von Radio France und dem WDR eingeladen, und spielte bei verschiedenen Festspielen, wie dem Bachfest Leipzig, den Telemann-Festtagen in Magdeburg und dem Festival de Musique Baroque de Lamèque in Kanada. 2012 war er Cembalist des European Union Baroque Orchestra (EUBO). Im Bereich zeitgenössischer Musik hat er mehrmals mit dem Ensemble 2e2m konzertiert. Letztlich hat er unter anderen mit dem Bach Collegium Japan (Masaaki Suzuki), am Centre Culturel de Rencontre d’Ambronay gespielt und beim Klavierfestival Ruhr ein Cembalorezital gegeben. 2015 gründete er mit der Flötistin Anne Freitag das Ensemble Alter Klang, das bereits auf zwei italienischen Wettbewerben mit dem 1. Preis ausgezeichnet wurde. Sein Debütalbum »Varietas« ist 2016 bei Genuin Classics erschienen und wurde in der Fachpresse begeistert aufgenommen.