Polditzer Orgelverein

Events

Stille Kammermusik zum Buß- u. Bettag

siegfried-pank
Sonderkonzert
  • Date: 21. November 2018
  • Time: 16:30
  • Location: Kirche Polditz

12. „Stille Kammermusik“ zum Buß- und Bettag

Am Buß- und Bettag wird am 21. November 16.30 Uhr im Altarraum eine Stille Kammermusik musiziert. Initiator Siegfried Pank (Leipzig) Viola da gamba, Jean-Christophe Dijoux (Paris/Berlin) Cembalo und Polina Gorshkova (Oldenburg) Flauto traverse konzertieren nachfolgendes Programm.

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Konzertprogramm

François Couperin (1668-1733)
aus : Les goûts-réunis, ou Nouveaux concerts à l’usage de toutes les sortes d’instruments de Musique (1724) Septiéme Concert
Gravement et gracieusement – Allemande – Sarabande – Fuguéte – Gavote – Siciliéne

Georg Philipp Telemann (1681-1767)
Sonate c-Moll für Traverso, Viola da gamba und Basso continuo TWV 42:c6
Andante – Allemande – Menuet – Aria – Gigue – Rejouissance

François Couperin
aus: L’Art de toucher de Clavecin (1716)
Septième Prélude
Second Livre de Pièces de Clavecin, 6e Ordre (1717)
Les Langueurs –Tendres – Les Baricades Mistérieuses

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Sonate e-Moll BWV 1034 für Flauto traverso und Basso continuo
Adagio ma non tanto – Allegro – Andante – Allegro

Johann Sebastian Bach
Sonate G-Dur BWV 1027 / 1039 für Flauto traverso, Viola da gamba und Basso continuo
Adagio – Allegro ma non tanto – Andante – Allegro moderato

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Zwischen den einzelnen Werken vermittelt Siegfried Pank wissenswertes über Komponisten und die gespielten Instrumente. Es sind die leisen zarten Töne, die den Instrumenten entlockt werden und eine dem Tag entsprechende musikalische Atmosphäre seit 12 Jahren hier in Polditz verleihen.

 

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Gedanken zum Programm
von Siegfried Pank

Es erstaunt und erfreut mich jedes Jahr aufs Neue, anlässlich der Vorbereitung auf die „Stille Kammermusik“ durch das Nachdenken über Programm und Ausführende, geleitet von Impulsen verschiedener Ereignisse, dem Charakter des Buß- und Bettages musikalisch Ausdruck zu verleihen.

Aus dem Suchen entstand in diesem Jahr ein Programm mit dem Schwerpunkt Frankreich und Deutschland – durchaus passend zu aktuellem historischen Gedenken. Dass obendrein auch die Ausführenden mit den Nationalitäten Russland – Deutschland – Frankreich eine dazu passende Vielfalt bilden, empfinde ich mit großer Dankbarkeit. So symbolisieren im heutigen Konzert Musik und Musiker die Bedeutung der Vielfalt im Zusammenleben und –musizieren als Grundvoraussetzung unseres menschlichen Daseins.

Heute wird viel über Europa gesprochen und gestritten. Wenn wir das Leben, nicht nur auf künstlerischer Ebene, im 18. Jahrhundert betrachten, so stellen wir mit Bewunderung fest, wie eng verknüpft damals viele Bereiche miteinander kommunizierten. So pflegte J.S. Bach in einer Vielzahl seiner Werke den französischen Stil, ebenso wie Telemann, der sogar eine Zeit lang in Paris wirkte.

In unser heutiges Programm übersetzt heißt dies, dass die durchaus verschiedenen nationalen Kompositionsstile in Frankreich und Deutschland durch intensive Beschäftigung der Menschen miteinander sowohl rein nationale als auch gemischte Musikarten hervorbrachten.

So erleben Sie zu Beginn und an dritter Stelle Musterbeispiele „echt“ französischer Musik von dem auch „Le Grand“ genannten François Couperin. Wir gedenken in diesem Jahr seines 350. Geburtstags!

Als Beleg für die Vielfalt in Telemanns Werk musizieren wir bewusst dazwischen eine Sonate, die in der Satzfolge und Musik ganz einer Suite im französischen Stil entspricht.

Die beiden folgenden Werke sind großartige Beispiele, wie J. S. Bach mit seiner einmaligen Handschrift alle Stile einbezieht und eine unverwechselbare Musik schreibt, die uns immer wieder ganz besonders berührt.

Es liegt mir am Herzen, abschließend einen nachdrücklichen Dank für den nimmermüden Einsatz des Polditzer Orgelvereins e.V. auszusprechen, der immer wieder Aufführungen musikalischer Kunstwerke verschiedenster Gattungen in dieser wunderbar klingenden Kirche ermöglicht.

Versenken Sie sich in die verhaltenen Klänge von Traversflöte und Viola da gamba im Verein mit dem vielfältig anrührenden Cembalo. Möge diese Stunde stiller Kammermusik noch lange in Ihrer Seele nachklingen.

 

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Ausführende

Polina Gorshkova Flauto traverso
Siegfried Pank Viola da gamba
Jean-Christophe Dijoux Cembalo

Polina Gorshkova wurde in St. Petersburg geboren. Sie hat ein Diplom der Detmolder Musikhochschule und ein Aufbaustudiengang Konzertexamen der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf absolviert. Danach folgte noch ein Masterstudium Alte Musik (Historische Flöten) an der Hochschule für Künste Bremen bei Prof. Marten Root. Sie war mehrfach als Gast am Landestheater Detmold und im Oldenburgischen Staatsorchester tätig und tritt vielfältig kammermusikalisch in Erscheinung. Aktuell beschäftigt sich Polina Gorshkova mit der historischen Aufführungspraxis. Sie tritt regelmäßig auf mit verschiedenen Barockorchestern und Ensembles u.a. mit den Baseler Kammersolisten Barock, Concerto Brandenburg, Barockwerk Hamburg, Elbipolis Barockorchester Hamburg, Concerto Bremen und „La festa musicale“.

 

Siegfried Pank  war zunächst Schüler der Landesschule Pforta, danach Mitglied des Thomanerchores Leipzig. Nach seinem Violoncello-Studium an der Leipziger Musikhochschule bei August Eichhorn war er 1962–1980 Mitglied des Leipziger Gewandhausorchesters. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich intensiv mit der Viola da gamba und erhielt Anregungen durch Wieland Kuijken und Jordi Savall. Ab 1980 war er Dozent, 1988 wurde er zum Professor an der Leipziger Musikhochschule berufen, wo er 1991 die Studienrichtung »Alte Musik« gründete und aufbaute.

Als Solist und Mitglied führender Ensembles führten ihn Konzerte nach Europa, Israel, die USA und Japan. Für nationale und internationale Rundfunkanstalten und Labels produzierte er Aufnahmen mit breitem Repertoire: Gambensonaten, Kammermusik, Konzerte, Passionen von Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bach  (Deutscher Schallplattenpreis 1988), Händel, Telemann, Vivaldi, Rameau, Marais u.v.a.m.
Zudem veröffentlichte er Aufsätze und Studien zur Aufführungspraxis der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Als Dozent von Spezialseminaren und Meisterkursen wirkte er im In- und Ausland. Er war Jurymitglied nationaler und internationaler Wettbewerbe wie dem Wettbewerb des Deutschen Musikrates, dem Johann-Sebastian-Bach Wettbewerb Leipzig, sowie dem Telemann-Wettbewerb Magdeburg und dem Bach-Abel Wettbewerb Köthen, denen er zudem als Präsident vorsteht. Für seine Verdienste wurde er unter anderem mit dem Georg-Philipp-Telemann-Preis der Landeshauptstadt Magdeburg (2012), dem Eitelfriedrich–Thom-Preis / Michaelstein (2013) und dem Verdienstorden des Landes Sachsen-Anhalt (2018) geehrt.

 

Jean-Christophe Dijoux Der Faszination des Cembaloklangs erlag Jean-Christophe Dijoux während seines Klavierstudiums am Conservatoire National Supérieur de Paris. Als vielfaches Ensemble-mitglied und ebenso als Solist hat er mitterweile bei internationalen Wettbewerben zahlreiche Preise erspielt, unter anderen den “Bärenreiter Urtext Preis” sowie den Preis für das beste und stilgerechte Generalbassspiel beim VII. Internationalen Telemann-Wettbewerb in Magdeburg. Seit 2014 darf sich Dijoux mit dem ehrenvollen Titel des 1. Bachpreisträgers in der Kategorie „Cembalo“ schmücken, wobei er seinerzeit in Leipzig zusätzlich den Preis des Leipziger Barockorchesters sowie den Sonderpreis für eine CD-Produktion gewann.

Er wurde unter anderem von Radio France und dem WDR eingeladen, und spielte bei verschiedenen Festspielen, wie dem Bachfest Leipzig, den Telemann-Festtagen in Magdeburg und dem Festival de Musique Baroque de Lamèque in Kanada. 2012 war er Cembalist des European Union Baroque Orchestra (EUBO). Im Bereich zeitgenössischer Musik hat er mehrmals mit dem Ensemble 2e2m konzertiert. Letztlich hat er unter anderen mit dem Bach Collegium Japan (Masaaki Suzuki), am Centre Culturel de Rencontre d’Ambronay gespielt und beim Klavierfestival Ruhr ein Cembalorezital gegeben. 2015 gründete er mit der Flötistin Anne Freitag das Ensemble Alter Klang, das bereits auf zwei italienischen Wettbewerben mit dem 1. Preis ausgezeichnet wurde. Sein Debütalbum »Varietas« ist 2016 bei Genuin Classics erschienen und wurde in der Fachpresse begeistert aufgenommen.